So.
Leider kam gestern der “Tag des Deutschen Bieres” dem schreiben diesen Artikels in die Quere, nun aber – nach dem der Kater nur noch leise maunzt – gehts tatsächlich los.
Warum das ganze eigentlich?
Ziel der Veranstaltung ist, mit beliebigem Hardwaresetup die TimeCapsule-Funktionalität nachzubilden. Und da ich sicher nicht der einzige bin der sich die “warum geht das nicht auch mit der Hardware die ich schon habe”-Frage gestellt hat kommt das ganze nun hier zusammengefasst an die öffentlichkeit.
Ich habs nicht eingesehen für 500GB Fesplattenplatz an nem W-Lan Router 300€ auszugeben.
Ergo hab ich das nun bei mir mit einer ganz normalen Fritzbox Fon und einer daran angeschlossenen USB-Platte nachgebaut, da ja nun aber nicht jeder dieses Setup fahren möchte ist die Anleitung frei von Hardwarespezifika.
Entsprechend sind auch die Voraussetzungen recht generisch:
- W-Lan (Duuh!)
- ein existierendes SMB-/AFS-Share (wie man zu so einem Share kommt werde ich hier nicht beleuchten, google ist da aber wie immer euer Freund)
Einige Worte der Vorbereitung und Warnung:
Wer TimeCapsule-ähnliche Performance erwartet sollte sich bewusst sein, dass die TimeCapsule auf dem IEEE 802.11n Standard aufsetzt der ca. 4 – 6 mal schnellere Datenübertragungsraten ermöglicht als der de facto Standard 802.11g (mit dem auch ich zuhaus noch vorlieb nehmen muss).
Daher die Empfehlung für 802.11g-User: selbst wenn das Ziel ist am Ende ausschliesslich über WLan zu backupen empfehle ich das Initialbackup NICHT über WLan sondern über Kabel zu machen, sonst ist das Backup veraltet bevors (ne Woche später) fertig ist. Folgt dafür einfach der Anleitung von A bis Z und ersetzt für das Initialbackup das W-Lan Kabel mit nem normalen, nachdem das Initialbackup durch ist wird der Tausch halt wieder rückgängig gemacht.
So, genug einleitende Worte, rein ins vergnügen.
Schritt 1:
Damit wir überhaupt die Möglichkeit haben, auf ein Netzlaufwerk zu TimeMachinen muss erst einmal dieser altbekannte Befehl im Terminal (benötigt nur normale Benutzerrechte) abgesetzt werden:
mbnight:~ nightshade$ defaults write com.apple.systempreferences TMShowUnsupportedNetworkVolumes 1
Das wärs eigentlich schon gewesen, hätte Herr Apple nicht in Leopard 10.5.2 irgendeinen Quatsch gemacht der dafür sorgt, dass das backupen auf Netzlaufwerke nicht mehr funktioniert.
Aber dies wär nicht das Internet dass wir alle kennen und lieben wenns nicht auch dafür schon wieder ein Workaround geben würde..
Schritt 2:
Man mounte sein zukünftiges Backuplaufwerk das mit jedem beliebiegen OS X-lesbaren Dateisystem formatiert ist erst einmal ganz normal (Finder öffnen, “cmd”+”K” drücken (oder Gehe Zu -> Mit Server verbinden), zu mountendes Laufwerk angeben, “Verbinden” drücken).
Nun kommt der lustige Part.
Nehmen wir mal an wir haben ein 500GB FAT32 Share herangezogen. An sich kann OS X da ja fröhlich drauf schreiben, TimeMachine allerdings will ausschliesslich auf HFS+J schreiben. Zicke.
Bleibt also nichts anderes übrig als die 500GB zu HFS+J zu formatieren und ab dem Zeitpunkt den überschüssigen Platz auf dem Share nicht mehr von anderen Systemen aus nutzen zu können, oder aber man erstellt einfach eine HFS+J Image innerhalb des FAT32 Shares das mit der Größe des Backups in einem Definierten Rahmen wächst. Find ich besser, machen wir doch das.
Bevor wir das allerdings tun können brauchen wir noch eine kleine Info: Die MAC-Adresse der Netzwerkkarte (bei mir wurde lustigerweise NICHT die des WLAN-Interfaces benötigt sondern die der klassischen Netzwerkkarte “mit Kabel dran”, warum das so ist hab ich noch nicht ganz rausfinden können).
Schritt 3:
Terminal öffnen und den Befehl
mbnight:~ nightshade$ ifconfig en0
eingeben, aus dem Ergebniss die Zeile die mit “ether” beginnt herauskopieren und irgendwo zwischenspeichern.
Sieht dann so ähnlich aus:
ether 00:1b:64:ac:9b:f0
So, nun haben wir endlich alles was wir brauchen um unser zukünftiges Backuplaufwerk TimeMachinefähig zu machen in dem wir das oben erwähnt HFS+J-Image erstellen.
Schritt 4:
Im Terminal den Befehl
hdiutil create -size IMAGESIZE -fs HFS+J -type SPARSEBUNDLE HOSTNAME_MACADDR.sparsebundle” eingeben.
Haben wir IMAGESIZE (die zukünftige Maximalgröße des Backups), HOSTNAME (der Rechnername) und MACADDR (die oben aus “ifconfig eth0″ herauskopierte MAC-Adresse) mit den korrekten Werten ersetzt sieht in unserem Bespiel dann so aus:
mbnight:~ nightshade$ hdiutil create -size 480G -fs HFS+J -type SPARSEBUNDLE “mbnight_001b64ac9bf0.sparsebundle”
Dies erzeugt lokal die HFS+J-Image-Datei, die in diesem Falle initial knapp 200 MB gross ist und maximal 480GB Daten halten kann.
Schritt 5:
Diese Datei wird nun nur noch auf unser zukünftiges Backuplaufwerk kopiert, TimeMachine gestartet und unter “Volume Wechseln” unser frisch geimpftes Backuplaufwerk ausgewählt.
120 Sekunden später beginnt vollautomatisch unser erstes TimeMachine-Backup über WLan – unsre TimeCapsule für arme ist fertig.
Oder doch nicht? Für die komplettisten unter uns hätte ich noch
Schritt 6:
Da ich MarcoPolo benutze, möchte ich eigentlich auch dass, wenn ich nach Hause komme, das Laufwerk automatisch gemountet wird. MarcoPolo kommt allerdings nicht wirklich mit Netzlaufwerken klar, kann aber z.B. AppleScript ausführen.
Machen wir uns also 2 kleine Scripte mit denen das mounten und unmounten der Laufwerke automatisch passiert.
Diese scripte funktionieren, ob sie die Höhe der Scriptschöpfung sind ist etwas ganz anders. Für Vorschläge bin ich immer offen.
Wir öffnen also das Tool “Skripteditor” und basteln das erste Script:
try
tell application “Finder”
mount volume “smb://MeinServer/MeinShare”
end tell
end try
Speichern das ganze wos uns beliebt und zwar als “Programm”, nicht als “Script” und lassen MarcoPolo dieses “Programm Öffnen bei Ankunft in Home”.
Dann noch das unmount-Script:
tell application “Finder”
if exists “MeinShare” then
eject disk “MeinShare”
end if
end tell
Speichern das ganze ebenso als “Programm” und lassen Marco Polo dieses “Programm Öffnen beim verlassen von Home”.
Die korrekte benutzung von MarcoPolo ist noch einmal eine kleine Wissenschaft für sich und vllt. das Thema für einen anderen Artikel, solang aber die Regeln schon korrekt bestehen wird das genau das tun was in der Werbung versprochen wurde, nämlich das Backuplaufwerk mounten wenn man zuhaus ist und es unmounten wenn man wieder geht.
Ich für meinen Teil bin mit dieser Lösung ziemlich glücklich, das einzige was mir persönlich noch fehlt ist der 802.11n-Standard damit ich mehr als nur die lumpigen 10GB pro nacht gebackuped bekomme und auch das Initialbackup über W-Lan erträglich wird.
So, ich hoffe dass diese Anleitung hilfreich ist, und euch allen erfolg beschert wird, sollte es Probleme geben – ich guck regelmässig in die Comments-Section und schau mal dass ich alle glücklich machen kann.
bye
/night
April 24th, 2008 at 19:31
Öhm, ist das so eine gute Idee auf einem Fat32 Laufwerk ein wachsendes Image zu erstellen? Ich mein Fat32 kann ja maximal 4gb große Dateien verwalten
April 25th, 2008 at 11:00
Die frage hatte ich mir am Anfang auch gestellt, nachdem das Backup dann ca. 16Gig groß war hab ich die Sorgen dann wieder verworfen..
April 29th, 2008 at 21:58
Die neuen, seit Leopard eingeführten sparsebundle sind in Wirklichkeit ein Verzeichnis aus vielen kleinen Dateien und können daher auch auf FAT32-Laufwerken abgelegt werden. Ich würde allerdings dennoch nicht FAT32 nehmen, wenn es nicht unbedingt sein muß…
Die hier beschriebene Methode funktioniert aber erstaunlich gut. Nur schade, dass es über ein normales 54k-WLAN prinzipbedingt ganz schön langsam läuft. Dazu kommt dann noch, dass die handelsüblichen NAS-Systeme für den “Privathaushalt”, die meist einen knapp 300 MHz-Prozessor und Linux drauf haben, eben nicht sonderlich schnell sind. Vorhin hat er für etwas über 400 MB Backup fast eine Stunde lang “gerödelt”…
Mai 26th, 2008 at 12:04
An sich hast du das sehr gut gelöst. Ich frage mich nur warum du gerade mit FAT32 formatiert hast und nicht mit HFS+J? Für Microsoft BS gibt es ein namens MacDrive (mediafour.com/produc...), das funktioniert wunderbar.
FAT32 ist nicht umsonst durch NTFS abgelöst worden.
Liebe Grüße
Yves
Mai 31st, 2008 at 10:43
Ich hatte die gleiche Idee, habe allerdings mit Hilfe von Linux und dem Samba Dienst einen kleinen Dateiserver aufgebaut und diesen Wotan genannt. Wer Interesse hat diesen nach zu bauen, die gesamte Doku liegt bei mir im Blog vor.
November 24th, 2008 at 14:37
Alles schön und gut, aber bei mir kommt (bei strikter Einhaltung aller Schritte) letztendlich nach “Backup vorbereiten…” nur die Meldung, dass das Image des Backups nicht erstellt werden konnte.
Der Netzwerkpfad ist genau der, wo auch die sparsebundle-Datei liegt (mit korrektem Dateinamen!).
Edit: Der Name des sparsebundle-Images muss “Time Machine Backups” sein…
Januar 8th, 2009 at 22:56
Hallo erstmal
Ein bisschen später, aber ich schreib trotzdem was rein, da dies hier meiner Ansicht nach der bester Beitrag für eine Do-it-your-self time capsule ist
Meine Situation: Linksys wrt350n router (der kennt nur FAT32 und NTFS), 750GB Lacie USB 2.0 Festplatte, und halt ein MacBook Pro mit Leo
Ich habe die Festplatte mit FAT32 formatiert und alles so gemacht wie hier beschrieben. Hat auch geklappt.
Aber
Die FAT32 Partition macht bei grösseren Backups (meines ist so gegen 100 GB) keinen Spass mehr. Die Schreibgeschwindigkeit der Platte saust in den Keller und man wartet Ewigkeiten.
Ich glaube, auch wenn im sparsebundle drin lauter kleinere files angelegt sind, so kann dies FAT32 nicht richtig behandeln.
Mein Lösungsvorschlag:
Platte auf NTFS formatieren, Paragon NTFS for MAC installieren (nach 10 Tage kostenpflichtig), Platte ans Netz hängen, eine Freigabe erstellen.
Ansonsten so vorgehen wie oben beschrieben.
Warum Paragon NTFS und nicht macFuse: Ich habe zuerst macFuse probiert, aber Timemachine schafft es mit MacFuse scheinbar nicht ein Sparbundle zu mounten. Von Hand hat es jedoch geklappt.
Mit Paragon war dieses Problem nicht mehr da, für mich genug Grund die 39 Euro zu investieren.
Nun habe ich Timemachine Backup auf einer NTFS Platte mit akzeptabler Leistung, was will ich mehr
Nochmals vielen Dank an den Autor und alle anderen Tipps.
Grüsse
Januar 12th, 2009 at 13:09
Um endlich mal die Frage zu beantworten, die hier und in der echten Welt immer mal wider auftaucht:
Ich habe FAT32 (und nicht HFS* oder NTFS) gewählt, da es damit am wenigsten compat-Probleme gibt (win/linux/osx), von 99% aller HW unterstützt wird und keine weiteren Tools benötigt – ich für meinen Teil sehs nicht ein Geld dafür zu bezahlen, dass ich 5 Jahre alte Filesystems fremdmounten kann. Neinnein.
Februar 14th, 2009 at 10:03
Das Tutorial finde ich sehr anschaulich und die F&A’s geben auch noch sehr gute Zusatzinformationen.
Ich habe aber noch eine Frage, auf die mir bisher niemand Antwort geben konnte:
Ich habe 2 Wohnorte und möchte mir an meinem Hauptwohnsitz eine TC 1TB installieren und dort 1 Mac + 1 Macbook anschliessen um die Backups zu erstellen. Das geht natürlich problemlos….
An meinem 2. Wohnort würde ich aber gerne eine USB Platte nutzen um parallel ein 2. Backup anzulegen un dieses nur 1x/Woche zur Datensicherung verwenden, da mir das Wochenend-Backup zu große Intervalle darstellt.
Frage: Kann das Time-Mashine Programm so etwas verwalten ? Meines Wissens nach legt Time Mashine die Zuordnungsdatei für den Aufsetzpunkt des Backups ja a.d. Sicherungsmedium selbst ab, sonst würde ja keine Wiederherstellung funktionieren, also müsste es auch mit 2 Backups funkzionieren die parallel wachsen, nur eben unterschiedlichen Content haben, da die Zeitpunkte von einander abweichen….
Was glaubst Du ? geht das ?
Februar 16th, 2009 at 11:08
Was Google Mir Sagt (TM):
geht prinzipiell, 2 Probleme: Out of the Box musst Du wohl tatsächlich abhängig von der Locatiom jeweils das eine und das ander Laufwerk ein-/austragen in TimeMachine, an sonsten läuft das AutoBackup wegen “Disk not Found” nicht los.
Wenn das getan ist sheidden sich die Geister – ich konnts noch nicht ausprobieren und 50% aller online-Frickler sagen, dass TimeMachine “irgendwann nicht mehr geht”, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das nicht auf zu viel panisches rumspielen zurückzuführen ist.
was du wahrscheinlich recht einfach machen kannst ist dir (im Verbund mit MarcoPolo) ein kleines Script schreiben (siehe automount oben) das abhängig davon wo du grad bist (grad ankommst) diesen Kram für dich macht (es ist ja immer das selbe – selbe Platten, selbe menues, selbe Aufgaben…).
Script schreiben klingt immer blöd, ja, allerdings ist das Beispiel von oben schon recht repräsentativ für die Komplexität deines vorhabens – sehr gering meiner Meinung nach. Google “tutorial applescript” sollte dich in 1 Stunde zum gewünschten Ergebnis führen.
Viel Erfolg!
August 27th, 2009 at 02:02
Das ist ein suuuuper Tipp! Habe ne Lacie 2big Network Disk mit Shares … TimeMachine benutzt die .sparsebundle Datei wirklich und auch wenn ueber AFP gemountet wird!!
Vielen Dank! Arno
Oktober 1st, 2009 at 01:09
Moinsens,
weiß jemand, ob der Spaß auch unter Snow Leopard erfolgreich funktioniert?
Oktober 1st, 2009 at 15:52
Da ich auf diese Weise auch unter SnoLeo meine Backups auf ein NAS spiele (sofern meine aktuellen WLAN-Probleme nicht dazwischen kommen), gehe ich davon aus, dass das weiterhin klappt.
August 23rd, 2010 at 22:28
[...] (natürlich nicht FAT32, da dies nur 4 GB pro Datei unterstützt!). Weiterführende Links: [ 1 ], [ 2 [...]